Wiener Kaffee: Warum Wien die Kaffeehauptstadt der Welt ist
- 15. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Keine Stadt der Welt ist so eng mit dem Kaffee verbunden wie Wien. Das Kaffeehaus wurde hier zu einer Institution, die es so nirgendwo sonst gibt. Und das hat eine Geschichte, die 1683 mit ein paar zurückgelassenen Kaffeesäcken beginnt.

Wie der Kaffee nach Wien kam
Die Geschichte beginnt mit einer Belagerung. 1683 standen die Osmanen vor den Toren Wiens, und als sie nach ihrer Niederlage fluchtartig abzogen, ließen sie unter anderem große Mengen Kaffeebohnen zurück. Was die Wiener zunächst für Kamelfutter hielten, entpuppte sich als das Getränk, das ihre Stadt für immer verändern sollte.
Wer genau das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet hat, darüber streiten die Historiker bis heute. Am häufigsten genannt wird Johannes Theodat, ein armenischer Händler, dem Kaiser Leopold I. am 17. Jänner 1685 als Dank für seine Dienste die offizielle Erlaubnis erteilte, das „türkische Getränk" in Wien zu verabreichen. Damit war das erste Wiener Kaffeehaus geboren.
Was den Kaffee bei den Wienern so richtig beliebt machte, war eine schlichte Idee: Milch und Zucker dazugeben. Klingt simpel, war aber eine kleine Revolution. Denn der schwarze, bittere Kaffee der Osmanen war für viele kaum trinkbar. Mit Milch und Zucker wurde daraus etwas ganz Eigenes, etwas Wienerisches.
Das Kaffeehaus als Wohnzimmer der Stadt
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Kaffeehaus zu einem der wichtigsten Orte des gesellschaftlichen Lebens. Nicht nur zum Kaffeetrinken, sondern zum Lesen, Schreiben, Diskutieren, Schachspielen und einfach Dasein. Stammgäste ließen sich ihre Post ins Kaffeehaus liefern und waren dort telefonisch erreichbar. Das Kaffeehaus war das zweite Wohnzimmer, für manche sogar das erste.
Im Jahr 1900 gab es in Wien bereits rund 600 Kaffeehäuser. Sigmund Freud, Stefan Zweig, Arthur Schnitzler, Gustav Klimt und Leo Trotzki zählten zu den berühmten Stammgästen der großen Wiener Kaffeehäuser. Stefan Zweig beschrieb das Wiener Kaffeehaus in seinen Memoiren als eine Institution, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen sei. Ein Ort, an dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht.
Seit 2011 ist die Wiener Kaffeehauskultur offiziell Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Eine verdiente Anerkennung für etwas, das in Wien schon lange selbstverständlich ist.

Was man in Wien bestellt
Die Wiener Kaffeekarte ist eine Wissenschaft für sich. Ein paar der wichtigsten Begriffe, die man kennen sollte:
Die Melange ist der Klassiker: halb Kaffee, halb aufgeschäumte Milch, oft mit einem Hauch Milchschaum obenauf. Der Einspänner ist schwarzer Kaffee im Glas, gekrönt von einer ordentlichen Portion Schlagobers. Der Kleine Braune ist ein starker Mokka mit einem Schuss Milch. Der Verlängerte ist ein milder, mit heißem Wasser gestreckter Kaffee für alle, die es nicht ganz so stark mögen.
Und dann ist da noch das Glas Wasser, das in Wien immer zum Kaffee serviert wird. Kein Aufpreis, kein Nachfragen, es kommt einfach. Das ist keine Geste der Freundlichkeit, sondern Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Damals wurde das Wasser serviert, damit man den Gaumen vor dem ersten Schluck reinigen konnte. Heute ist es ein Zeichen dafür, dass man in einem echten Wiener Kaffeehaus sitzt.
Kaffee im Wirtshaus
Das Kaffeehaus und das Wirtshaus sind in Wien eng miteinander verwandt. Beide sind Orte, an denen man nicht einfach nur konsumiert, sondern verweilt. Beide haben ihre eigenen Rituale, ihre eigene Sprache und ihre eigene Atmosphäre. Und in beiden gehört der Kaffee zum guten Abschluss eines Essens dazu. Nach einem Tafelspitz, einem Schnitzel oder einem Gulasch kommt der Kaffee. Mit einem kleinen Stück Kuchen, wenn man Glück hat. Und natürlich mit dem Glas Wasser dazu. Das ist Wien. Und das ist die Mitzitant.






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