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Was ist das Wiener Lied? Die Geschichte hinter Wiens klingender Seele

  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt Momente im Wirtshaus, in denen plötzlich alles stimmt: Das Bier ist frisch gezapft, der Tafelspitz dampft noch auf dem Tisch und aus dem Hintergrund klingt eine Melodie, die sich anfühlt, als hätte sie schon immer dazugehört. Genau so klingt Wien. Und genau so klingt das Wiener Lied.



Eine Musik mit Geschichte und Charakter


Das Wiener Lied ist keine Erfindung der Tourismusindustrie. Es ist gewachsen, über Jahrhunderte, aus den Straßen und Hinterhöfen der Stadt. Händler, die ihre Waren ausriefen, Leiermänner, die durch die Gassen zogen, Sänger in Wirtshäusern und auf Heurigen – sie alle haben ihren Teil beigetragen. Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Lieder auf Flugblättern gedruckt und von Mund zu Mund weitergegeben.


Die eigentliche Blütezeit begann im 19. Jahrhundert. Das Wiener Lied war damals die Musik der einfachen Leute – der Handwerker, der Vorortbewohner, der kleinen Bürger. Es erzählte von Wien, von seinen Typen und Eigenheiten, von Sehnsucht und Lebensfreude, von Wein und manchmal auch von Liebeskummer. Melancholisch, aber nie ohne Augenzwinkern. Ein bisserl wehmütig, aber immer mit einem Schmunzeln.


Die Schrammeln

1878 gründeten die Brüder Johann und Josef Schrammel gemeinsam mit dem Gitarristen Anton Strohmayer ein kleines Ensemble, das zunächst in Heurigen und Gaststätten spielte. Sechs Jahre später stieß der Klarinettist Georg Dänzer dazu und das „Schrammel-Quartett" war geboren. Was dann passierte, war eine echte Wiener Erfolgsgeschichte.

Die Musik der Schrammeln war so unwiderstehlich, dass sie sich blitzschnell von den Wirtshäusern in die Salons der Aristokratie ausbreitete. Sogar Johann Strauss und Johannes Brahms zählten zu ihren begeisterten Bewunderern. Der Klang – zwei Geigen, Kontragitarre, die charakteristische G-Klarinette (das sogenannte „picksüße Hölzl") – wurde zum Erkennungszeichen Wiens. In nur sieben Jahren komponierten die beiden Brüder über 200 Stücke. Beide starben mit nur 43 Jahren. Doch ihr Klang lebt bis heute.

Schrammelmusik ist seither nicht nur ein Stilbegriff, sondern ein Lebensgefühl. Diese charakteristische Mischung aus ein bisschen weinen, ein bisschen lachen, und dabei ein Glas in der Hand halten – das ist Wien.



Was das Wienerlied wirklich singt

Das Wienerlied handelt im Kern immer vom selben: von dieser Stadt, ihren Menschen und ihrem besonderen Blick aufs Leben. Die Wienerinnen und Wiener haben schon immer eine besondere Gabe gehabt, über sich selbst zu schmunzeln – und dabei sehr genau hinzuschauen. Der Wein als Begleiter, die Stadt als Heimat, das Leben als etwas, das man annimmt, wie es kommt: mit Humor, mit Gelassenheit und mit einer ordentlichen Portion Weltschmerz. Das Wirtshaus war dabei immer der natürliche Lebensraum dieser Musik. Nicht der Konzertsaal, nicht die Oper – sondern genau hier. Wo Menschen zusammenkommen, anstoßen und reden. Wo die Stimmung nicht geplant werden muss, sondern einfach entsteht.


Mitzitant singt mit – auch beim ESC

Wer schon länger dabei ist, weiß: Musik und Mitzitant gehören zusammen. Und heuer haben wir das sogar auf eine ganz besondere Bühne getragen. Zum Eurovision Song Contest in Wien hat die Mitzitant seinen eigenen Song bekommen – ein echter Mitzitant-Ohrwurm, der den Geist des Wirtshauses in Töne gefasst hat. Laut, herzlich, ein bisserl verrückt und durch und durch wienerisch. Der ESC ist zwar vorbei, aber der Song bleibt. So wie die beste Musik eben bleibt. Das zeigt ganz gut, worum es beim Wiener Lied im Kern geht: Es ist kein nostalgisches Relikt, sondern eine Haltung. Eine Art, das Leben zu feiern – auf Wienerisch.



 
 
 

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